Das sagen wir zur „Stadtbild-Aussage“

Quelle: Unsplash/Hannah Busing
8. November 2025

Die Ruhr Nachrichten haben uns folgende Fragen zu Merz „Stadtbild-Aussagen“ gestellt. Das sind unsere Antworten:

1. Wie bewertet die Grüne Selm die jüngste Aussage von Friedrich Merz zum „Stadtbild“?
 

Eine solche undifferenzierte, pauschale Aussage ist für einen Bundeskanzler unangebracht.
Eine Sprache, die „das Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration zu einem Problem erklärt, ist rassistisch, weil alle Menschen, die eine Migrationsgeschichte haben und im Stadtbild erscheinen, über einen Kamm geschoren werden.

Und da Herr Merz die Frauen vorgeschoben hat: Viele Frauen berichten, dass sie sich im Dunkeln unsicher fühlen, allerdings oft unabhängig von äußerem Erscheinungsbild ihres Gegenübers. Für viele ist die Tatsache, dass sie einem Mann begegnen, ausreichend, um sich unwohl zu fühlen oder sogar Angst zu haben.

2. Gab es innerhalb der Grünen Selm Diskussionen zu einer möglichen Anzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung? Wurde eine Anzeige gestellt?

Nein, wir haben Herrn Merz nicht angezeigt und es ist auch nicht geplant eine Anzeige zu stellen.

Auch gab es innerhalb der Grünen Selm keine Diskussion darüber.

3. Inwiefern spiegelt sich diese bundespolitische Diskussion in einer Stadt wie Selm wider? Hat sich hier das Stadtbild aus Ihrer Sicht tatsächlich verändert – und falls ja, wodurch?

Auch in Selm gibt es sicherlich Menschen, die Herrn Merz zustimmen und Menschen, die ihm vehement widersprechen. Insofern spiegelt sich die Diskussion natürlich auch in Selm wider.

Wenn es um Probleme im Selmer Stadtbild geht, denken wir aber an die Abrisshäuser an der Kreisstraße – und nicht an mit Menschen mit Migrationsgeschichte.

Selm verändert sich wie andere Städte auch durch Neubau, Demografie, Zuzug. Vielfalt gehört selbstverständlich zu unserem Alltag und ist Normalität. Sie macht unsere Stadt lebendig und bringt Menschen zusammen.

4. Kritiker werfen Merz vor, mit solchen Aussagen gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen. Teilen die Grünen Selm diese Sorge?

Auf jeden Fall. Solche Aussagen teilen Menschen in „wir“ und „die anderen“ ein, dass verstärkt Vorurteile, weckt Misstrauen und macht Probleme größer statt kleiner. Dadurch geht die Spaltung wieder ein Stück tiefer.

5. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine differenzierte Sprache in der politischen Kommunikation, wenn es um Themen wie Integration und Zusammenleben geht?

Sehr wichtig. Pauschalisieren hilft niemanden und löst auch keine Probleme, im Gegenteil, wie man jetzt gut sehen kann, es schafft Probleme. Solche Aussagen verschieben die Grenze des Sagbaren und daraus werden im Zweifel auch Taten. Wenn also vom „Problem im Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration die Rede ist, trifft das Menschen, die „nicht deutsch aussehen“.

Sie bekommen wieder das Signal: Ihr seid hier nicht willkommen. Egal, ob jemand geflüchtet ist oder seit Generationen hier lebt, er oder sie entspricht dann nicht dem Bild, das manche leider vom „typisch Deutschen“ im Kopf haben.

6. Welche Erfahrungen macht die Grünen Selm konkret im Bereich Integration und Stadtentwicklung? Gibt es positive Beispiele, die ein anderes Bild zeichnen, als Merz‘ Aussagen nahelegen?

Wenn wir Integration und Stadtentwicklung zusammen betrachten, sind die Spielplätze ein gutes Beispiel. Sei es der neue Abenteuerspielplatz in Bork oder der Spielplatz im Auenpark: Hier spielen Kinder selbstverständlich zusammen, egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen – und auch die Eltern kommen ins Gespräch. Auch in den Selmer Vereinen übernehmen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam Verantwortung.

7. Wie wollen die Grünen Selm dazu beitragen, dass Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt vor Ort weiter gestärkt werden?

Wichtig wäre es, solche Begegnungsräume wie gerade erwähnt, bewusst zu fördern – dafür werden wir uns auch im Stadtrat einsetzen. Denn wo Menschen miteinander in Kontakt kommen, entstehen weniger Vorbehalte und mehr Verständnis füreinander

Wichtig ist uns außerdem, reale Probleme im Stadtbild wirklich anzugehen und die Menschen vor Ort dabei einzubeziehen. Deshalb arbeiten wir an einem Format für mehr Bürgerbeteiligung. Herausforderungen müssen offen benannt werden – aber nicht jede Schwierigkeit lässt sich mit Migration erklären.