Selm. Der Ozean produziert rund die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs – doch er steht massiv unter Druck. Das war eine der Kernbotschaften einer Klima-Veranstaltung, die am 18. August in Selm stattfand. Unter dem Titel „Vom Mittelmeer bis Selm – Klima, Gesundheit und unsere Zukunft“ kamen Bürgerinnen und Bürger zusammen, um globale Entwicklungen und lokale Folgen des Klimawandels zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Grünen Selm.
Globaler Blick: Ozean und Mittelmeer als „Hotspots“
Zu Beginn standen die Weltmeere im Fokus: Sie nehmen mehr als 90 Prozent der überschüssigen Wärme auf und speichern gigantische Mengen CO₂. Doch das hat Folgen – von der Korallenbleiche im Pazifik bis hin zur beschleunigten Erwärmung des Mittelmeers, das sich rund 20 Prozent schneller erwärmt als der globale Durchschnitt. „Das Mittelmeer ist ein Klimawandel-Hotspot“, betonte Referentin Insa Behrens, Projektmanagerin für Nachhaltigkeitsprojekte. Dabei wurde deutlich: Es reicht hier längst nicht mehr aus, nur Emissionen zu mindern. Klimaanpassung ist dringend notwendig – das zeigen auch aktuelle Waldbrände in Spanien, Frankreich und Portugal zeigen.
Dass diese Veränderungen auch in Deutschland spürbar werden, zeigt eine aktuelle Studie von Bulut, Vrac & de Noblet‐Ducoudré, die 2025 erschienen ist: Mit Hilfe sogenannter Klima-Analogien prognostizieren die Forschenden, dass Städte wie Berlin zwischen 2070 und 2100 ein Klima wie Bologna, Italien erleben könnten. Übertragen auf kleinere Städte bedeutet das: Auch Selm könnte in 50 bis 60 Jahren vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wie sie heute im Mittelmeerraum bereits Realität sind.
Schon jetzt treten Hitzewellen, Dürren und Wasserknappheit auch hierzulande häufiger auf – erst kürzlich sorgten extrem heiße und trockene Tage für einen teilweise trockengelegten Selmer Bach und Temperaturen von bis zu 34 Grad im Schatten auf dem Campus. Ein Blick auf den Mittelmeerraum kann wertvolle Hinweise liefern, wie Katastrophenschutz und Anpassungsstrategien funktionieren können.
Klima und Gesundheit
Iris Hirschberg, Hausärztin in Selm, erklärte, warum der Klimawandel von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts eingestuft wird. So werden Extremwetterereignisse eine immer größere Gefahr: Hitzewellen und Starkregen können im Ernstfall das Leben kosten. Hinzu kommt ein steigendes Krebsrisiko besonders von Haut und Augen durch die zunehmende UV-Strahlung – Hirschberg zufolge ist der Anstieg in Deutschland bereits heute nachweisbar. Auch Ernteausfälle und die Verschlechterung der Trinkwasserversorgung sind Folgen, auf die wir uns vorbereiten müssen. Ebenso werden stärkere Pollenallergien, die Ausbreitung von Zecken und den von ihnen übertragenen Erkrankungen, sowie zunehmende Luftverschmutzung ein immer größeres Thema für die Medizin – auch in Deutschland.
Was heißt das für Selm?
Besonders spannend war für viele der lokale Bezug: Was bedeuten Klimawandel und Klimaanpassung konkret für Selm? Diskutiert wurden unter anderem der Rückgang der Grundwasserneubildung, Dürrerisiken für die Landwirtschaft, aber auch wachsende Gefahren durch Starkregen und Überschwemmungen.
Das Selmer Klimaschutzkonzept, Maßnahmen gegen Waldbrandgefahren in der Region sowie Beispiele aus Vorreiter-Kommunen wie dem Bioenergiepark Saerbeck lieferten Ideen, wie auch kleinere Städte wirksam handeln können.
Am Ende erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam ein „Vision Board für Selm“ – mit Vorschlägen von mehr Fahrrad-Infrastruktur und Permakulturprojekten bis hin zu Bildungsinitiativen in Schulen. Dabei wurde klar: Auch für Selm gibt es bereits viele gute Ideen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Zahlreiche Initiativen und engagierte Netzwerke sind bereit, gemeinsam aktiv zu werden.
Einig waren sich die Teilnehmenden auch: Während andernorts Feuerwehr- und Katastrophenschutzstrukturen zurückgefahren werden, wäre es klug, in Selm den entgegengesetzten Weg zu gehen: in Vorsorge, Resilienz und eine sichere Zukunft zu investieren.
So kann ist die Stadt auf absehbare Risiken wie Dürren, Brände und Wasserknappheit besser vorbereitet – und kann sicherstellen, dass nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Bevölkerung, Infrastruktur und Natur langfristig geschützt bleiben.